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Code schreiben, bis die Augen zufallen

In 48 Stunden eine App programmieren? Wir haben ein vierköpfiges Entwickler-Team bis zum Schlusspfiff des Hackathons auf dem Campus der Uni Mainz begleitet.

Team Sparta wirkt tiefenentspannt. Alexander, Lukas, Andre und Tatjana sitzen an einem Biertisch und essen zu Abend, vor der Alten Mensa auf dem Campus der Mainzer Universität. Es ist Freitag, 19 Uhr, der erste Tag des ersten Rhein-Main-Hackathons. Halbzeit, und es gibt noch jede Menge zu tun. Doch als die selbsternannten Spartaner von ihrem Vorhaben und den vergangenen 24 Stunden erzählen, ist von Anspannung keine Spur.

Tatjana und Andre studieren Informatik in Gießen und Marburg, Alexander und Lukas kommen aus der Software-Entwicklung. Zusammen wollen die vier eine Konferenz-App programmieren. Nach wie vor, obwohl bislang nicht alles rund lief: Eine andere Frontend-Oberfläche musste her, als ursprünglich geplant war. Dafür bleibt Team Sparta, das sich vom Actionfilm 300 zu seinem Namen inspirieren ließ, jetzt noch ein Tag.Genauso wie den fünf anderen Tech-Truppen

Trotz der Kursänderung lägen sie gut in der Zeit, erklärt das Team. „Dass wir morgen Abend etwas abliefern werden, ist klar“, erklärt Alexander überzeugt. „Die Frage ist momentan nur, wie das aussehen wird.“ Er kümmert sich um die Benutzeroberfläche, seine drei Mitstreiter programmieren das Backend.

Ziel eines Hackathons ist es ganz allgemein, innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters nützliche und originelle Software zu produzieren. Große Unternehmen, die solche Veranstaltungen ausrichten oder sponsern,erhoffen sich dadurch den Zugang zu digitalen Innovationen. Oft ist dabei ein bestimmter Themenbereich vorgegeben. Aus wirtschaftlicher Sicht kann diese Form des Ideen-Outsourcings für Konzerne nützlich sein.

Veranstalter des Mainzer Code-Marathons ist das Wissenschaftsportal Thesius und die Gründer-Initiative der Universität. Neben der Sparta-App sollen dort ein Chatroom für Vorlesungen und ein Lern-Spiel entstehen. Außerdem treten an: eine App, die anzeigt, wie voll es gerade in Bibliothek oder Mensa ist, eine Stundenzettel-Lösung zur besseren Projektplanung und eine Lern- und Wiederholungsapplikation für MINT-Studierende.

Für die Köpfe hinter den Projekten stehen in der Alten Mensa jede Menge Energydrinks bereit. Gut so, denn in dem Saal mit dunkler Holzvertäfelung und riesigen Kronleuchtern brummen die Laptops am Freitag noch bis spät in die Nacht. Und die Spartaner? Wollen coden, bis ihnen die Augen zufallen, wie Andre ankündigt.

Gesagt, getan: Nach den finalen Vorträgen der Teilnehmer am Samstagabend erzählt Tatjana von einer arbeitsreichen letzten Nacht. Geschlafen habe das Team im Schnitt vielleicht zwei, drei Stunden. Doch das habe sich gelohnt: „Mit der Müdigkeit kam das Adrenalin, das hat uns nochmal richtig produktiv werden lassen.“ Entsprechend zufrieden sind sie mit dem Ergebnis der vergangenen 48 Stunden. Sie hätten dem Publikum ja in erster Linie ein laufendes Produkt vorlegen wollen. „Und das haben wir geschafft“, findet Alexander.

Die Jury sieht das ähnlich: Für Team Sparta reicht es am Ende zum Sieg. Die Präsentation gefällt den Juroren – ebenso wie die nahezu fertig programmierte App, die zwar noch etwas blass aussieht, aber offenbar funktioniert. Alexander, Lukas, Andre und Tatjana sind aus dem Häuschen. Honoriert wird der Sieg mit einer Smartwatch für jeden der vier Mitstreiter.

Doch wie soll es jetzt mit ihrem Tool weitergehen? Bislang können Nutzer damit etwa gemeinsam Notizen erstellen oder direkt auf die Slides von Sprechern zugreifen. Außerdem bestehen Anbindungen zu Twitter oder Flickr.

Noch befindet sich erst das Web-Modell auf dem vor der Jury präsentierten Stand, die mobilen Versionen für iOS und Android müssen erst angeglichen werden. Wenn das geschafft ist, meint Alexander, kann er sich auch vorstellen, ein Startup zu gründen. Abschreiben will er ihre Entwicklung jedenfalls nicht.

Der Wiesbadener war ursprünglich alleine auf das Event gekommen, die drei anderen hatten sich ihm am Donnerstag angeschlossen. Die Idee zur App hatte er mitgebracht: „Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz unvorbereitet hergekommen bin. Ich hatte noch nichts programmiert, aber die Vision stand.“

Durchgezogen hätte er die Hauruck-Aktion notfalls auch alleine, sagt er. „Umso mehr freut es mich, dass es in dieser Konstellation geklappt hat. Und dass wir gewonnen haben, ist ein schöner Nebeneffekt.“

Gründerszene /Elisabeth Neuhaus/ 04.08.2015 / gruenderszene.de

Thesius liefert planlosen Studenten Themenvorschläge

Erst Datenbank für Dissertationen, dann Themensuche für Bachelor- und Master-Arbeiten: Thesius aus Mainz hat sich breiter aufgestellt. Die Mission aber bleibt.

An dem alten Backsteingebäude unweit des Mainzer Hauptbahnhofs rollen Züge vorbei. Es ist der einzige Bau auf dieser Seite der Straße, in den unteren Stockwerken residiert die Bundespolizei, drumherum: Baustelle. Hier soll demnächst ein Startup-Loft mit Industriecharakter eröffnen. Thesius ist schon vor ein paar Wochen eingezogen.

Das Startup, das vor gut drei Jahren als Deutsche Dissertationsliste von den Juristen Michael Grupp und Jennifer Lee Antomo sowie dem Wirtschaftswissenschaftler Dennis Albert gegründet wurde, hat ein ehrgeiziges Ziel: Es will wissenschaftliches Arbeiten transparenter, übersichtlicher – und inzwischen vor allem einfacher machen.

Juristische Arbeiten als Ausgangspunkt

Als sie 2012 die Idee für Thesius haben, sind Grupp, Antomo und Albert Doktoranden an der Uni Mainz. Sie erkennen ein Problem: Zu wenig Transparenz kann einen Schreibenden im schlimmsten Fall mehrere Jahre Arbeit kosten. Nämlich dann, wenn er zu spät erfährt, dass ein anderer zeitgleich über dasselbe Thema schreibt. Ihre Idee: eine Datenbank, die Doktoranden erstens einen Austausch untereinander ermöglicht und sie zweitens hochschulunabhängig über sämtliche Dissertationen informiert: über die, die bereits veröffentlicht wurden, und über die, die gerade bearbeitet werden. Vorbild ist das französische Theses.fr.

„Der Gedanke kam aus der juristischen Ecke“, sagt Geschäftsführer Michael Grupp, „dort liegt der Schwerpunkt auf einem eklektischen Teil. Man trägt Wissen aus fremden Arbeiten zusammen, um es aus einer anderen Perspektive zu untersuchen. Dafür muss man aber zunächst wissen, was bislang veröffentlicht wurde und im Idealfall auch, wer gerade zu eben diesem Thema forscht.“

Am Anfang denkt das Trio in erster Linie akademisch: „2012 war Thesius noch kein Startup, sondern ein Hobbyprojekt“, sagt Grupp. Die Professionalisierung ihres Vorhabens leiten sie erst einige Zeit nach dem Start in die Wege.

Thesius soll mehr sein als eine reine Stichwortsuche, wie man sie von anderen Seiten kennt. Also werden Hierarchien von Sachkategorien angelegt. Von nun an können sich Nutzer durch die fachlichen Verästelungen klicken wie durch einen Baum, je weiter man vordringt, desto spezifischer wird es. Anfang 2014 gehen die Partner mit ihrem Portal online, zunächst nur für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Schwerer Stand für Geistes- und Sozialwissenschaften

Allmählich weiten die Gründer ihre Index-Technologie auf andere Fachbereiche aus. Irgendwann merken sie, dass Studenten in Zeiten von Bachelor- und Master-Arbeiten vor allem die Themenfindung für Abschlussarbeiten Probleme bereitet. „Da war es für uns ein logischer und dank des bestehenden Produkts leicht machbarer Schritt, auch diese Perspektive abzudecken, von der ja auch viel mehr Nutzer betroffen sind“, erklärt Mitgründer Dennis Albert, selbst einige Jahre lang Dozent an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Mainz.

Also übertragen die Gründer das technische Fundament, die Inhaltsverzeichnis-Strukturen, auf ihr zweites Projekt. Heute wächst die Doktoranden-Datenbank mit derzeit etwas über zwei Millionen Titeln zwar weiterhin, doch der Großteil der insgesamt rund 10.000 Nutzer verteilt sich auf die Themensuche für Bachelor- und Master-Arbeiten, die es seit Ende letzten Jahres unter dem Namen Topics gibt. Beide Angebote teilen sich eine Seite.

Um die Einstellung von Themen kümmern sich Hochschulen, Forschungsgemeinschaften – und Unternehmen. Letztere zahlen für die Vorschläge. Grupp bezeichnet das als fachbezogene Art des Content-Marketings: „Hochschulmarketing mit Fach-Fokus“. Klar, dass es da einige weniger lukrative Wissenschaftszweige schwer haben. Geistes- und sozialwissenschaftliche Einträge sind bislang eher die Ausnahme. Eigenen Angaben zufolge deckt Thesius auf seiner Plattform aber bereits 70 Prozent aller Fachbereiche ab. Und dabei soll es natürlich nicht bleiben.

Nebenbei helfen, Plagiate auffliegen zu lassen

Die Zeit bezeichnete Thesius vor etwas über einem Jahr als „Facebook für Doktoranden“. Inzwischen ist es also mehr als das. Momentan besteht das Team aus 20 Leuten, ein rheinland-pfälzischer VC hat investiert.

Daneben engagiert sich das Startup in einem Bündnis für akademische Integrität, einer Initiative, die in Mainz als Reaktion auf die Plagiatsskandale der vergangenen Jahre ins Leben gerufen wurde und wissenschaftliches Fehlverhalten aufdecken will. Denn als bundesweites Dissertationsverzeichnis könnte Thesius auch dabei helfen, Plagiate auffliegen zu lassen. Aber das nur nebenbei. Der Fokus, das betonen Grupp und Albert im Gespräch mit Gründerszene immer wieder, liegt nun auf der Lösung für Bachelor- und Master-Studenten.

In Zukunft wollen sich die Gründer mit Topics auch im europäischen Ausland einen Namen machen. Mit dem Bologna-Prozess gibt es schon seit etlichen Jahren harmonisierte Studienabschlüsse. Jetzt soll endlich auch die Themensuche einheitlicher werden.

Gründerszene /Elisabeth Neuhaus/ 15.06.2015 / gruenderszene.de

Thesius: Netzwerk für Doktoranden

Das Start-up Thesius vermittelt Themen und Stellen für Doktoranden. Neben den großen Forschungsinstituten bieten auch zahlreiche Unternehmen Vorschläge für Dissertationen auf der Plattform an.

Für seine eigene Dissertation findet Michael Grupp (links) momentan wenig Zeit. Dabei brachte sie ihn und seine Mitstreiter Jennifer Lee Antomo und Dennis Albert 2012 auf die Idee für sein Start-up. „Es gab keine Plattform, auf der sich Doktoranden austauschen und vernetzen können“, sagt Grupp. So gründeten sie das Unternehmen Deutsche Dissertationsliste, das die Online-Plattform Thesius betreibt.

Hier können sich Doktoranden mit ihrem‧ Profil registrieren. Zudem bieten die Mainzer eine riesige Datenbank schon geschriebener Dissertationen. Die erste stammt von 1902, von den Sechzigerjahren an sei die Sammlung weitgehend vollständig. Wenn die Arbeiten online veröffentlicht wurden im Volltext, ansonsten mit gescannten Inhaltsverzeichnissen.

Thesius in Zahlen

Nutzer :
knapp 10 000
Dissertationen :
in der Datenbank mehr als zwei Millionen
Umsatz :
im Vorjahr fünfstellig, dieses Jahr geplant sind mehr als 100 000 Euro

Darüber hinaus vermittelt das Unternehmen Themen an angehende Doktoranden. Universitäten, Forschungsinstitute wie Leibniz und Helmholtz und Unternehmen können Vorschläge und Stellen ausschreiben. Vor allem auf die Integration der 66 Fraunhofer-Institute ist Grupp stolz: „Bislang konnte man nirgends die Stellen aller Fraunhofer-Institute zentral durchsuchen.“

Auch mehr als 50 Unternehmen haben Themen auf der Plattform vorgeschlagen, darunter Stihl, Daimler, Dürr und Leitz. Das Start-up verdient an der Vermittlung der Interessenten; es kassiert monatlich Beträge von 50 Euro und mehr.

gruender / Oliver Voß/ 04.05.2015 / gruender.wiwo.de

Recherche-, Netzwerk- und Karriereplattform für Doktorandinnen und Doktoranden erhält Mainzer Wirtschaftspreis 2014

Onlineportal Thesius als "Beste Gründung" von den Wirtschaftsjunioren Mainz ausgezeichnet

Die Wirtschaftsjunioren Mainz (Rheinhessen) haben auf der größten Gründermesse in Rheinland- Pfalz, der Ignition, zum achten Mal den Mainzer Wirtschaftspreis in der Kategorie "Beste Gründung" verliehen – und zwar an Jennifer Antomo und Michael Grupp für die erste bundesweite Recherche-, Netzwerk- und Karriereplattform für Studierende und Nachwuchswissenschaftler, die an einer Abschlussarbeit oder Dissertation schreiben. In dem prämierten Onlineportal thesius.de können Studierende oder Doktoranden, die bereits ein Thema für ihre Abschlussarbeit im Blick haben, ein Profil anlegen, das eigene Thema registrieren und nach Kommilitonen oder Fachkollegen, die an ähnlichen Themen arbeiten, recherchieren und sich direkt mit ihnen vernetzen. Wer noch auf der Suche nach einem Thema für die Abschlussarbeit ist, kann hier unter Umständen praxisnahe Vorschläge von Unternehmen finden. Gegründet wurde Thesius bzw. das Start-up-Unternehmen DDL Deutsche Dissertationsliste GmbH im Herbst 2012 von Jennifer Antomo, Michael Grupp und Tim Conradi.

"Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und Forschungsideen auszutauschen, in der eigenen Disziplin wie auch interdisziplinär", erklärt Jennifer Antomo, die Thesius mitgegründet hat. Antomo hat Jura in Mainz und Athen studiert, arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Rechtswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und schreibt hier gerade – neben ihrem Engagement für Thesius – an ihrer Dissertation zur Frage "Schadensersatz wegen der Verletzung einer internationalen Gerichtsstandsvereinbarung?". Seit 2013 ist sie außerdem eines von insgesamt 25 Mitgliedern der Gutenberg-Akademie, einer interdisziplinären Vereinigung von herausragenden Doktorandinnen und Doktoranden sowie Künstlerinnen und Künstlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Während meiner eigenen Forschung habe ich festgestellt, dass ein Ideenaustausch mit Kommilitonen und Fachkollegen oft nur in Nischen möglich ist – ganz abgesehen von der Frage, welche Relevanz die eigene Forschung für Gesellschaft und Wirtschaft haben könnte", so Antomo. "Und genau das wollen wir ändern: Mit Thesius möchten wir Synergien zwischen den Studierenden und Doktorandinnen und Doktoranden schaffen sowie Kontakte zu thematisch interessierten Institutionen und Unternehmen bieten."

Derzeit sind in Thesius rund zwei Millionen Dissertationen gelistet und verschlagwortet, etwa 80 Prozent aller seit 1960 abgegebenen Arbeiten, teils mit Volltext, teils zumindest mit Inhaltsverzeichnis oder Zusammenfassung. "Angefangen haben wir mit den Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik sowie den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. In den nächsten Wochen und Monaten sollen sukzessive auch sozial- und geisteswissenschaftliche Fachinhalte hinzukommen", berichtet Michael Grupp, Mitgründer und Geschäftsführer von Thesius. Grupp hat in Deutschland und Frankreich Jura studiert, in beiden Ländern mit Auszeichnung abgeschlossen und anschließend Arbeitserfahrung in Unternehmen, Kanzleien und Institutionen in Mainz, Frankfurt, Paris, London, Shanghai, Seoul, Washington D.C. und New York City gesammelt. Seine Dissertation "Machbarkeit praxisbezogener Formalisierung für die Rechtswissenschaft" will er 2015 vorlegen.

"Die Webseite www.thesius.de ist seit Anfang 2014 in einer Beta-Version online und versteht sich derzeit noch vornehmlich als Themen- und Netzwerkportal für Doktorandinnen und Doktoranden, aber natürlich sind uns auch Bachelor- und Masterstudierende auf der Suche nach Themen für ihre Abschlussarbeiten herzlich willkommen“, betont der dritte Mitgründer der Thesius-Plattform, Tim Conradi, der an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an der RWTH Aachen Biologie studiert hat.

Bundesweit zählt Thesius aktuell etwa 1.000 Doktoranden. In mehreren Branchenveröffentlichungen wie zum Beispiel der Legal Tribune Online, dem Chemiereport oder vom Verband der Ingenieure wurde die Plattform bereits als wichtiges, nötiges und lang erwartetes Projekt gelobt.

Pressestelle der Johannes Gutenberg-Universität Mainz / 29.10.2014 / uni-mainz.de

Neues Netzwerk für Doktoranden


Vor zwei Jahren ging www.thesius.de, eine Internetplattform für Doktorandinnen und Doktoranden, online. Seitdem ist aus dem Hobby dreier Studierender der Johannes Gutenberg- Universität Mainz (JGU) ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen geworden. Geschäftsführer Michael Grupp, der selbst an seiner Dissertation sitzt, erzählt, was das in Deutschland einzigartige Portal zu bieten hat.

Alles begann als Hobby. "Wir haben uns keine Gedanken darüber gemacht, ob wir mal Geld damit verdienen würden", erzählt Michael Grupp. "Wirklich nicht. Wir hatten einfach diesen weltverbessernden Ansatz." Es fehlte etwas in Deutschland, das wollten die Studierenden beheben. Sie schufen eine Onlineplattform für Doktoranden – und legten so im Herbst 2012 den Grundstein für das aufstrebende Start-up-Unternehmen Thesius. Grupp sitzt in einem schmal geschnittenen Büro in den Bonifaziustürmen, die wie Riesen aus Beton, Stahl und Glas direkt neben dem Mainzer Hauptbahnhof in den Himmel ragen. "Das hier war unser erster Raum. Am 20. August 2013 haben wir die Tür aufgeschlossen. Mittlerweile sind wir auf drei Büros angewachsen."

Deutsche Dissertationsliste GmbH

Im Moment ist es auffällig still bei Thesius. "Sie haben Glück und Pech zugleich. Normalerweise haben wir Betrieb wie in einem Bienenstock. Aber die meisten Mitarbeiter sind auf einer Schulung. Sie können also nicht erleben, wie wir arbeiten. Aber dafür können wir uns in Ruhe unterhalten."

Der Geschäftsführer von Thesius, der Deutschen Dissertationsliste GmbH, schreibt selbst noch an seiner Dissertation. Grupp studierte Jura in Münster, Paris und an der Johannes Gutenberg- Universität Mainz. "Sie müssen schon selbst Doktorand sein, um zu merken, dass Sie keine Infos zu Ihrer Dissertation bekommen, dass sie keinen Kontakt bekommen zu Doktoranden, die über ähnliche Themen schreiben, dass Sie kaum Möglichkeiten zum Austausch oder zur Orientierung haben."

In Frankreich ist mit www.theses.fr längst eine zentrale Plattform installiert. "In Deutschland gibt es zwar Institutionen, die Dissertationslisten erstellen. Aber es gibt keine Plattform in dem Sektor, die so umfangreich und detailreich ist wie unsere." Im Moment listet Thesius knapp zwei Millionen Arbeiten auf, das sind laut Grupp 80 Prozent aller seit 1960 abgegebenen Dissertationen. "Zwar sind nicht alle im Volltext zugänglich, aber zumindest Inhaltsverzeichnisse oder Zusammenfassungen können eingesehen werden."

Von der Suche nach Themen

Doch das ist noch lange nicht alles, was Thesius zu bieten hat. Wer – wie Grupp – an seiner Dissertation schreibt, kann sich registrieren lassen. Grupps Eintrag zeigt sein Porträtfoto, sein beruflicher Werdegang und Veröffentlichungen sind aufgeführt. Seine Dissertation verbindet Jura mit Informatik. Es geht um "Machbarkeit praxisbezogener Formalisierung für die Rechtswissenschaft". 2015 will Grupp fertig sein.

Wer will, kann sich in einer Grafik zeigen lassen, welche Themengebiete Grupps Arbeit berührt. "Wir stellen nicht einfach Datensätze ins Netz, wir verschlagworten sie." So ist auch die Suche nach vorhandenen oder entstehenden themenverwandten Dissertationen kein Problem. "Stellen Sie sich vor, Sie planen eine Arbeit zum Familienrecht, zu Scheidungen und speziell zum Unterhaltsrecht." Grupp tippt das in seinen PC ein und erhält eine Liste. "Sie können ganz schnell sehen, was es schon gibt, wo inhaltliche Schnittmengen sind."

In der Folge können sich Doktoranden, die an ähnlichen Themen arbeiten, über das Portal austauschen, sich gegenseitig ermutigen oder gar den Weg zu einer wichtigen Quelle weisen. "Im Moment haben wir etwa 900 Nutzer. Wir steuern auf die 1.000 zu. Wir wachsen ungefähr doppelt so schnell, wie wir gedacht haben. Allerdings haben wir ein Problem: Die verschiedenen Forschungsbereiche sind sehr heterogen, es entwickelt sich nicht alles gleich gut."

Juristen und Maschinenbauer

Im Bereich Jura floriert es. 350 Juristen sind bei Thesius registriert. "Wir haben ungefähr 50 juristische Fakultäten in Deutschland, also sind bei uns um Schnitt sieben Studierende aus jeder Fakultät dabei. Da bekommen Sie schon einen guten Überblick, was im Fach Jura läuft, was gefragt ist."

Ganz neu dabei sind die Maschinenbauer. "Das ist ein ungeheuer aktiver Bereich. Wir haben jetzt schon beinahe 300 Nutzer." Dafür sei so ein kunterbuntes Feld wie die Geisteswissenschaften noch unterrepräsentiert. Mathematik, Physik und Chemie sind recht gut dabei. "Die Naturwissenschaften sind einfach besser vernetzt."

Ganz neu im Portal ist auch die Liste "Finde Dein Thema". "Die haben wir erst kürzlich online gestellt. Hier haben Hochschulen, Unternehmen und andere Institutionen Gelegenheit, gegen eine Gebühr Themen für Arbeiten vorzuschlagen." Oft sind das sehr konkrete Angebote. Wie wäre es etwa mit einer Arbeit zur "Phytoplankton-Ökologie" für das Kieler Helmholtz-Zentrum Geomar, zu "Elektroluminiszenzspetroskopie an organischen Solarzellen" oder zur "Analyse von Radardaten in Flughafennähe während Gewitteraktivität"?

Thesius wächst weiter

Fast 5.000 Vorschläge sind bereits online. "Unser Vertrieb ist dabei, Kontakt mit möglichst vielen Institutionen aufzunehmen, und wir werden in Zukunft auf Jobbörsen Werbung machen." Auch die JGU ist mit einigen Hundert Themen vertreten. "Für die Institutionen hat das den Vorteil, dass sie früh Kontakt mit den für sie passenden Leuten bekommen."

Studierende und Doktoranden können das Angebot kostenlos nutzen – wie alles auf www.thesius.de. Sie können unter anderem Formatvorlagen herunterladen oder die Motivationshotline anrufen. "Die ist ebenfalls ganz neu. Da sitzt zwar kein Psychologe am Telefon, aber jemand, der sich auskennt. Manchmal reicht es ja schon, einfach mal über die eigene Arbeit zu reden."

Thesius ist seit nicht mal einem Jahr online. Das Unternehmen, von drei Studierenden der JGU angestoßen, besteht mittlerweile aus einem sechsköpfigen Kernteam und einem halben Dutzend weiterer Mitarbeiter. Als Partner sind unter anderem das Land Rheinland-Pfalz und die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz mit im Boot.

"Und ich bin der Geschäftsführer", meint Grupp lächelnd. "Da bin ich einfach so hineingerutscht." Als Studierender hätte er sich das nie träumen lassen. "Das ist schon eine Herausforderung, sich um Mitarbeiter zu kümmern, zu schauen, dass ein Unternehmen überlebt." Aber es sieht gut aus. Thesius wächst. Doktoranden in Deutschland sind nun nicht mehr allein mit ihrer Dissertation.

Magazin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz / 27.10.2014 / magazin.uni-mainz.de

Rechercheplattform für junge WissenschaftlerInnen

Thesius ist kein griechischer Held

Wenn sich Mainzer DoktorandInnen zusammentun, um eine Plattform für Promovierende zu gründen, kann am Ende das ambitionierte Projekt Thesius dabei herauskommen. Seit 2012 wirkt die Gruppe in Zusammenarbeit mit einem mehrköpfigen Team an der Erstellung einer Datenbank, die alle in Deutschland abgeschlossenen Dissertationen seit 1948 enthalten soll. Eine spannende Idee, die zusehends wächst.

Bislang kann man auf www.thesius.de Abschlussarbeiten zu vielen verschiedenen Fächern finden – darunter Recht, Wissenschaft, Informatik und Chemie. Dieses Angebot soll in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden. Neben technischen und naturwissenschaftlichen Fächern soll man dann auch auf Inhalte aus dem Bereich der Geistes- und Sprachwissenschaften zugreifen können.

Entstanden ist die Idee zu Thesius beim Nachmittagskaffee und aus dem Frust über die zerklüfteten und unübersichtlichen Recherchemöglichkeiten in der deutschen Wissenschaft. Liest man den Beschreibungstext auf der Website der Rechercheplattform, bekommt man recht schnell ein Bild davon, was die MainzerInnen eigentlich vorhaben. Sie wollen eine digitale Zuflucht schaffen, die die Recherche und Vernetzung angehender DoktorandInnen fördert und erleichtert. Dabei orientiert sich das Projekt an anderen Plattformen, wie es sie etwa in den USA, England oder Frankreich gibt.

Etymologie

Der Name des Projektes leitet sich von dem Begriff Thesis ab, mit dem im wissenschaftlichen Kontext Abschlussarbeiten zur Erlangung eines akademischen Grades bezeichnet werden. Bereits 600 DoktorandInnen haben sich seit der Veröffentlichung von Thesius im Februar dieses Jahres auf der Recherche- und Wissenschaftsplattform registriert – Zahl steigend. Isabel Witzler von der DDL Deutsche Dissertationsliste GmbH, so nennt sich die Gesellschaft hinter der Plattform, skizziert, worum es den Betreibern der Seite eigentlich geht. „Studierende haben oftmals Schwierigkeiten, praxisrelevante und interessante Themen für ihre Abschlussarbeiten zu finden. Thesius hat es sich deshalb unter anderem zum Ziel gesetzt, die Sichtbarkeit der Wirtschaft und auch der Wissenschaft und Forschungseinrichtungen zu verbessern.“ Besonders stolz ist das Thesius-Team auf die umfangreiche und innovative Suchfunktion, die das Portal den NutzerInnen an die Hand gibt. Über eine Indexsuche können Titeldaten schnell aufgefunden und ausgelesen werden – dass spart Zeit und verkürzt stundenlange Recherchemarathons im unieigenen OPAC.

Digitaler Helfer

Was die NutzerInnen erhalten, ist eine geordnete und umfangreich aufbereitete Sammlung von Dissertationen (im März waren es bereits mehr als 10.000), die zusehends wächst. Finanziert wird das Portal über InvestorInnen, die auf der Seite werben können, und aus Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz. Das Angebot ist komplett kostenlos und auch für Studierende attraktiv, die gerade ihre Bachelor- oder Masterarbeit schreiben. Also schaut mal vorbei!

PBszonline: Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung / Christian Kriegel / 27.10.2014 / bszonline.de

Promotions-Datenbank Thesius

Nie wieder doppelte Themen?

Der Gedanke, dass ein Kollege aus Heidelberg eine Arbeit zum eigenen Thema veröffentlicht, während man selbst gerade in Hamburg sitzt und Druckfahnen Korrektur liest, kann einem Doktoranden schlaflose Nächte bereiten. Das Mainzer Startup Thesius will Promotionsstudenten künftig vor solchen Hiobsbotschaften aus dem Bibliothekskatalog bewahren.

"Zu der Frage, ob eigenmächtiges Geldwechseln Diebstahl ist, liegen aus neuerer Zeit vier Aufsätze und fünf Dissertationen vor. Spätere Rechtshistoriker müssen zu dem Eindruck kommen, dass das eigenmächtige Geldwechseln sich Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu einer Epidemie entwickelt hat." Mit diesem Zitat aus einem Festschriftbeitrag von Friedrich Christian Schroeder aus dem Jahr 1989 vermittelt Peter Mankowski, Hamburger Rechtswissenschaftler und Neubearbeiter von Ingo von Münchs Standardwerk "Promotion", einen Eindruck von den Alltagssorgen, die den typischen Jura-Doktoranden umtreiben.

Dass eine eng umgrenzte Spezialfrage vier Aufsätze und fünf Dissertationen füllt, ist kein Einzelfall und muss auch kein Zeichen von Redundanz sein. Neue Gesetze, aktuelle Rechtsprechung, gesellschaftliche und politische Entwicklungen liefern immer wieder Gründe, ein und dasselbe Thema neu zu betrachten und aufzuarbeiten.

"Wenn man sich einmal die Mühe macht, zwei Doktorarbeiten mit fast identischen Titeln nebeneinander zu legen, dann wird man schnell feststellen, dass sich dahinter doch ganz Verschiedenes verbergen kann: Gliederung, Argumentation und Tiefe der Bearbeitung können stark variieren. Als Wissenschaftler ist man geradezu darauf angewiesen, dass eine Fragestellung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird, nur so ist ein Diskurs möglich", erläutert Mankowski im persönlichen Gespräch. "Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht dasselbe."

Was passiert, wenn zwei Dissertationen dasselbe Thema behandeln?

Eine Doktorarbeit soll aber – so regeln es auch die Promotionsordnungen der Universitäten - eine wissenschaftlich beachtliche Abhandlung sein, welche die Befähigung des Doktoranden zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit nachweist. Das bedeutet nicht nur, dass sich eine Dissertation mit allem bisher zum Thema Erschienenen auseinandersetzen muss, sondern auch, dass sie etwas Neues zum wissenschaftlichen Diskurs beitragen soll.

In vielen Fächern sind dies persönliche Analysen einer Problematik, bei denen eine Identität der Aussagen höchst unwahrscheinlich ist, auch wenn sie dasselbe Thema betreffen. Gerade wenn aber der Kern der Arbeit ein bestimmtes Forschungsergebnis oder – wie beispielsweise in juristischen Arbeiten üblich –eine Zusammenstellung der bisher zu einem Thema erschienenen Literatur nebst Analyse ist, ist es durchaus möglich, dass zwei voneinander unabhängig erstellte Arbeiten Überschneidungen aufweisen können.

Wenn dies in einem Stadium passiert, in dem die eigene Arbeit schon zu weit fortgeschritten ist, um sich noch einem neuen Thema zu widmen, muss der später Publizierende sich mit der vorher erschienenen Dissertation inhaltlich auseinandersetzen. Zum einen, weil dies wissenschaftlich nötig ist. Zum anderen aber auch, weil sonst leicht der Vorwurf im Raum steht, der spätere Kandidat habe sich beim früheren bedient.

Insbesondere wenn man aber eine wissenschaftliche Karriere plant, ist es unabdingbar, ein vollkommen eigenständiges Thema zu bearbeiten, um sich auf einem Gebiet einen Namen zu machen. Eine Doppelung der Themen kann den Super-GAU bedeuten.

Intelligente Suche nach Publikationen

Den will seit Beginn 2014 nun Thesius.de verhindern. Wenn es nach den Gründern dieses Mainzer Startups gehen soll, werden es Doktoranden in Zukunft einfacher haben, sicherzustellen, dass ihr Thema noch Potenzial für eine Veröffentlichung besitzt.

Bisher war man darauf angewiesen, die einschlägigen Datenbanken nach Passendem zu durchsuchen: Der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), der Karlsruher Katalog, auch Google und Amazon müssen befragt werden. Eine Garantie für Vollständigkeit liefert die Suche nicht – auch weil nicht alle Themen, welche eine Dissertation bearbeitet und zusammenführt, immer aus dem Titel der Arbeit hervorgehen.

Thesius bietet seinen Nutzern eine Datenbank, die mittelfristig alle deutschen Dissertationen seit 1960 auffindbar machen soll. "Die Suchfunktion beinhaltet dabei anders als bestehende Kataloge auch eine Suche nach Inhaltsindizes, sodass nicht nur nach der genauen Zeichenkette eines Begriffs gesucht wird, sondern eine Suche nach bestimmten Sachkategorien möglich ist", berichtet Michael Grupp, Rechtsanwalt und Geschäftsführer von Thesius. Seine eigene Promotion ruht derzeit, damit er hauptamtlich den Aufbau des Projekts begleiten kann.

Deutsche Nationalbibliothek macht mit

Seine neueste Erfolgsmeldung: Die Deutsche Nationalbibliothek hat sich bereit erklärt, Thesius die Inhaltsverzeichnisse fast aller in der DNB vorhandenen Dissertationen als durchsuchbare PDF-Dateien zur Verfügung zu stellen. "Für uns ist das fantastisch, weil unsere Indexierungen fertig sind und wir die Suchfunktionen direkt auf die Inhaltsverzeichnisse anwenden können. Das bedeutet konkret, dass wir wirklich fast vollkommen indexbasiert, also "intelligent" suchen können und die Nutzer bereits einen genauen Einblick in die jeweilige Monografie erhalten, ohne in der Uni oder anderswo suchen zu müssen."

Bereits vor einigen Jahren gab es Bestrebungen des Deutschen Hochschulverbands, eine zentrale Datenbank anzulegen, die alle laufenden Promotionsvorhaben registrieren sollte. Gescheitert sei die Initiative vor allem daran, dass es nicht gelungen sei, die Zulieferung der Daten durch die Universitäten sicherzustellen, vermutet Mankowski.

Wenn man so will, startet Thesius mit seiner zweiten Funktion nun einen neuen Versuch, einer Dissertationsdatenbank endlich Leben einzuhauchen. Dabei geht es nicht den Weg über die Lehrstühle und Institute, die Dissertationen betreuen, sondern setzt bei den Doktoranden selbst an.

Wer sich bei Thesius registriert, tut dies, indem er seine eigene geplante Publikation angibt, mit Schlagwörtern versieht und ein kurzes Abstract einstellt. Trägt man sich mit dem Gedanken, über ein bestimmtes Thema zu promovieren, kann man prüfen, ob es schon vergleichbare Projekte gibt und ob sich eine weitere Abhandlung tatsächlich lohnen würde.

Frustration vermeiden

"Jeder Doktorand opfert ein, zwei oder sogar drei Jahre seines Lebens, um eine Dissertation zu verfassen. In der Regel dauert es noch einmal einige Zeit, bis die Arbeit bewertet wurde und es schließlich zur Veröffentlichung kommt. Das ist ein Projekt mit vollkommen ungewissem Ausgang. Wir wollen Promotionsstudenten den Frust ersparen, erfahren zu müssen, dass ein Thema zwischenzeitlich schon "abgefrühstückt" wurde – selbst wenn das in Jura nicht immer bedeuten muss, dass man ganz aufgeben muss", erklärt Grupp sein Konzept.

Christian Steger, Doktorand und wissenschaftlicher Assistent am Max-Plank-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg, hat sich vor einigen Monaten bei Thesius angemeldet. Er kann sich gut vorstellen, dass künftige Doktoranden-Generationen von dem Modell profitieren könnten: "Bisher beschränkt sich der Austausch mit Kollegen in der Regel auf das Institut, den Lehrstuhl oder die Uni, an der man arbeitet. Über Thesius kann man demnächst vielleicht auch Doktoranden in anderen Städten kennenlernen, die mit dem eigenen Themenkreis zu tun haben. Vom lockeren Austausch bis zum selbst organisierten Doktorandenseminar ist alles denkbar."

Themenangebote von Unternehmen und Kanzleien

Die Vision von einem "Facebook für Doktoranden", wie Zeit online Thesius kürzlich betitelte, ist darauf angewiesen, dass die Nutzerzahl wächst. Derzeit sind etwa 600 Doktoranden aus den Fachbereichen Recht und Wirtschaft auf dem Portal registriert. Eine Zahl, die man im Internetzeitalter mit der Lupe suchen muss.

Aber die Gründer von Thesius sind optimistisch. Bisher sei das Projekt nur über persönliche Kontakte bekannt gemacht worden, mit einer echten Werbekampagne wolle man warten, bis das Portas seine Angebotspalette ausgeweitet habe.

Dies könnte bald der Fall sein. Ab Herbst sollen Unternehmen und Kanzleien die Möglichkeit erhalten, praxisrelevante Themen, an deren wissenschaftlicher Erforschung sie interessiert sind, kostenlos auf Thesius einzustellen. Angehende Doktoranden könnten so Ideen und vielleicht sogar Stipendien für ihre Arbeit finden.

Bei Juristen noch viel Überzeugungsarbeit nötig

Spricht man mit Juristen über Thesius, bekommt man jedoch immer wieder vor allem einen Einwand zu hören: "Vielleicht einer der Geburtsfehler der Datenbank könnte die Sorge des Doktoranden sein, leichtfertig seine brillanten Ideen preiszugeben, die dann von anderen kopiert und womöglich früher veröffentlicht werden. Thesius wird eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen, um die Fachwelt für den Gedanken zu gewinnen, dass die Vorteile durch den geistigen Austausch größer sind als das Risiko, kopiert zu werden", meint Roland Schimmel, Zivilrechtsprofessor an der Fachhochschule Frankfurt und Verfasser zweier Lehrbücher zum wissenschaftlichen Schreiben.

Doktorand Steger kennt die Befürchtungen vieler Kollegen, glaubt aber nicht, dass es wirklich Grund zur Sorge gibt: "Wenn man noch keine konkrete Arbeitsthese erarbeitet hat oder sie vorerst nicht in großer Runde teilen möchte, kann man sein Thema einfach etwas abstrakter fassen. Das genügt für interessierte Juristen, um die Arbeit einordnen zu können und bei Bedarf Kontakt aufzunehmen."

"Freilich werden Promotionsthemen und deren Bearbeiter auch heute kaum über das WWW annonciert", schreibt Mankowski in der 2013 erschienenen vierten Auflage von "Promotion". Man darf gespannt sein, ob er diesen Satz aus der nächsten Auflage streichen wird – vielleicht zugunsten eines Abschnitts über Thesius.

LTO – Legal Tribute Online / Copyright: Wolters Kluwer Deutschland GmbH / Julia Ruwe / 26.08.2014 / lto.de

PROMOTION

Das Facebook für Doktoranden

Wer promoviert, ist oft alleine. Mainzer Doktoranden haben nun eine Plattform zum Austausch gegründet – mit einem großen Ziel: Alle Doktorarbeiten seit 1960 zu listen.

In Frankreich zeigt sogar eine Eieruhr, wie lange manch Doktorand bereits an seiner Dissertation sitzt. Grün heißt fertig, gelb heißt angefangen. Michael Grupp lacht etwas, als er die Geschichte erzählt. Ganz soweit wird die Gruppe der Mainzer Doktoranden nicht gehen, die nun auch in Deutschland eine Datenbank für Promotionen aufbauen möchte. Ähnlich wie das französische theses.fr . "Jeder weiß, dass so ein Portal hier fehlt", sagt Grupp. Wer promoviert, muss sein Werk publizieren. Das Problem dabei: Veröffentlichte Arbeiten sind nicht immer auffindbar. Doktoranden, die wissen wollen, ob ihr Thema bereits von anderen bearbeitet worden ist, fällt die Suche danach schwer. Sie braucht oft eine Menge Zeit und Geduld. Deshalb haben Grupp und seine Partner thesius gegründet, die Idee sei aus der eigenen Verzweiflung geboren.

Thesius wirbt nun schon mit dem Slogan "Alle, wirklich alle Doktorarbeiten seit 1960". Das klingt vermessen und soweit sind sie auch noch längst nicht. Das Portal ist seit Anfang des Jahres online, zunächst nur für Jura und Wirtschaft. Weitere Fächer sollen nach und nach im Sommer folgen. Ausgangspunkt der digitalen Doktorarbeitensammlung ist die Deutsche Nationalbibliothek. Hier sind die meisten Dissertationen in Deutschland gespeichert. Eigentlich muss jeder Doktorand seine Arbeit hier einschicken. Doch das Team um Grupp hat in den Verzeichnissen der Universitäten auch Werke gefunden, die im Online-Katalog der Bibliothek nicht zu finden waren. Außerdem haben sie nach Links zu Amazon oder Google Books gesucht. 1,6 Millionen Datensätze seien zurzeit verfügbar. Allerdings gibt es die wenigsten Werke als Volltexte – vor allem aus Gründen des Urheberrechts.

10.000 Dissertationen bereits abrufbar

Das Besondere an thesius ist die Suchfunktion. Alle Dissertationen sind Sachkategorien zugeordnet, nach dem Klick auf eine Oberkategorie folgen Unterkategorien, die immer spezieller werden. Zu Dissertationen zum Thema Adoption gelangt man mit drei Klicks: Erst auf Recht, dann auf bürgerliches Recht/Privatrecht allgemein, dann auf Adoptionsrecht. Ein Graph zeigt die Verbindung der Kategorien zueinander an. "Das findet man zunehmend in amerikanischen Bibliotheken", sagt Grupp. So sollen auch Werke gefunden werden, die nicht ein eindeutiges Schlagwort im Titel enthalten.

Zurzeit werden die meisten Dissertationen von Hand mit Tags versehen, mehr als 10.000 hat das Team geschafft. Künftig sollen ihnen vermehrt Computerprogramme helfen. Sie wollen mit Algorithmen, Netzen und Vektoren arbeiten. Doch das brauche Zeit, Monate, vielleicht Jahre. Alle Dissertationen auf einen Blick, so könnte das Projekt auch für die Suche nach Plagiaten hilfreich sein. Das sei aber nur ein positiver Nebeneffekt und nicht das eigentliche Ziel. "Wir sollten Doktoranden aus der Dunkelheit der Bibliothek rausholen", sagt Grupp. Nach den letzten Plagiatsfällen gab es Forderungen nach einer Digitalisierungspflicht. Das hieße, dass Promotionen nicht mehr nur als Buch veröffentlicht werden müssten, sondern für jeden im Internet einsehbar wären. Wissenschaftlich sei das sinnvoll, sagt Grupp. Alle Volltexte im Katalog zu haben sei natürlich der große Wunsch, der Traum von thesius. Die Seite möchte sich aber nicht als politisches Projekt positionieren. Im Vordergrund stehe der Austausch unter Doktoranden. Nutzer erstellen ein Profil mit Publikationen, Interessensgebieten, Stipendien und Auslandsaufenthalten. Ein kleines Facebook für Promovierende. Die können suchen und sehen: Wer hat zu einem ähnlichen Thema veröffentlicht? Wo gibt es Schnittstellen? Wer kann mir vielleicht helfen? Carolin Zimmerschmidt aus Köln hat nach Doktoranden gesucht, die sich mit internationalem Recht auskennen. In ihrer eigenen Arbeit forscht sie zum Verbraucherschutz, an der Uni hat sie dazu vertieft nur das deutsche Recht gelernt. "Meine Dissertation ist eine Zwitter- Arbeit, genau an der Schnittstelle." Jetzt hat sie über thesius nicht nur andere Doktoranden mit Expertise gefunden und angeschrieben, sondern auch Kollegen für gemeinsame Veröffentlichungen. Zimmerschmidt arbeitet nicht an der Uni, sondern nebenbei in einer Kanzlei. "Wer extern promoviert, ist manchmal außen vor", sagt sie.

Zimmerschmidt ist eine von mehr als dreihundert Doktoranden, die aktuell promovieren und sich angemeldet haben. Gründer und thesius -Geschäftsführer Grupp glaubt an das Potenzial. "Auch StudiVZ hatte in den ersten Wochen nur mehrere Hundert Nutzer", sagt er. Das Portal finanziert sich über Investoren, die mit ihrem Logo auf der Seite werben können. Auf die Daten sollen sie keinen Zugriff haben, sagt Grupp. Der Login soll nur tatsächlichen Doktoranden erlaubt sein, jede Registrierung werde von Hand geprüft. "Wir verlangen aber keine Immatrikulationsbescheinigung", sagt Grupp. Er könne sich weitere Kooperationen mit Unternehmen vorstellen, wie zum Beispiel die Vermittlung von Themen für Bachelorarbeiten, Masterarbeiten oder Promotionen. Dann aber, so sagt Grupp, auf einer neuen Plattform, parallel zu thesius .

ZEIT Online / Copyright: ZEIT ONLINE/ Anne-Kathrin Gerstlauer / 12.03.2014 / zeit.de