Studieren ohne Abitur
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Studieren ohne Abitur – was Du wissen musst

Studieren ohne Abitur: Geht das überhaupt? Na klar! Bekanntlich führen verschiedene Wege nach Rom. Wir erklären Dir, welche Wege es zum Studium ohne Abitur gibt.
 

Studieren ohne Abitur: Wer, wie, was, warum?

Wer studieren will, muss das Abitur machen – dieser Aussage würden wohl viele zustimmen. Allerdings ist das schon lange nicht mehr richtig. Studieren ohne Abitur ist auf ganz verschiedenen Wegen möglich. Welche Optionen es für Dich gibt, wenn Du kein Abitur gemacht hast, aber dennoch studieren möchtest, verraten wir Dir heute!
 
 

 

Der „Regelfall“: Das Abitur

Wenn Du das Abitur in der Tasche hast, hast Du in Deutschland eine uneingeschränkte Hochschulzugangsberechtigung, denn es handelt sich um die allgemeine Hochschulreife. Du nimmst bei der Bewerbung um ein Studium dann am regulären Auswahlverfahren teil. Wenn Du Dir alle Optionen offenhalten willst, ist der „reguläre“ Weg über das Abitur daher immer noch der einfachste. Dennoch gibt es inzwischen viele Möglichkeiten für das Studium ohne Abitur!
 

Studieren ohne Abitur: Verwirrung ist vorprogrammiert

Bildung ist in Deutschland bekanntermaßen Ländersache. Das wirkt sich natürlich auch massiv auf die Möglichkeiten, ohne Abitur zu studieren, aus. Um hier genaue Aussagen treffen zu können, müssen deshalb die Landeshochschulgesetze der einzelnen Länder betrachtet werden. Wer ohne Abitur studieren möchte, sollte sich also genau informieren und sich systematisch eine Übersicht verschaffen. Hier können wir helfen! Wenn es in einem Bundesland nicht klappt, dann vielleicht ja im Nachbarbundesland!
 

Ein Überblick über das Studieren ohne Abitur

Grunds��tzlich gibt es neben dem Abitur drei verschiedene Wege ins Studium:
 

  • Fachhochschulreife
    Fachbezogenes Studium an Fachhochschulen möglich, eventuell auch Universitätsstudium
  •  

  • Hochqualifizierte Berufsausbildung, zum Beispiel Meister/-in
    In der Regel freie Studienwahl möglich, auch mit Direkteinstieg in den Master
  •  

  • Berufsausbildung und/oder Berufserfahrung (Beruflich Qualifizierte)
    Unter bestimmten Voraussetzungen Einstieg in ein fachbezogenes Studium oder auch in einen fachfremden Studiengang möglich, siehe Regelungen der Länder

 
Unter Umständen ist auch ohne weitere Qualifizierung ein Studium möglich, siehe Regelungen der Länder.
 

Das Fachabitur

Die Fachhochschulreife, auch Fachabitur oder kurz „Fachabi“ genannt, berechtigt zum Studium an einer Fachhochschule.
 
Zu unterscheiden ist zwischen der allgemeinen Fachhochschulreife und der fachgebundenen Fachhochschulreife. Im ersten Fall darfst Du jedes Fach an jeder Fachhochschule studieren, im zweiten Fall nur ein bestimmtes Fach oder eine bestimmte Richtung.
 
Ob Du mit Fachabitur auch an einer Universität studieren kannst, ist unterschiedlich geregelt. In Rheinland-Pfalz ist das zum Beispiel nicht möglich, auch nicht fachbezogen. In Niedersachsen hingegen kannst Du mit einem Fachabitur auch an die Universität gehen, wenn das Fach die Inhalte Deiner Ausbildung fortführt.
 

Studieninteressierte mit „beruflicher Aufstiegsfortbildung“ – Studium ohne Abitur für Meister und Co!

Studieren mit Meister
In allen Ländern kannst Du inzwischen studieren, wenn Du einen hochqualifizierten Berufsabschluss hast. Dazu zählen zum Beispiel Meister/-innen, staatlich geprüfte Techniker/-innen, OP-Krankenschwestern und OP-Krankenpfleger oder Fachkaufleute. Diese Weiterbildungen nennt man „Aufstiegsfortbildungen“. Wenn Du Dich für ein Studium ohne Abitur interessierst, überprüfe, ob Du nicht dazugehörst – die Liste ist länger, als Du denkst!
 
Studieninteressierte mit beruflicher Aufstiegsfortbildung haben eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Sie können alle Fächer an allen Hochschulen, auch Universitäten, studieren. Unter Umständen können sie sogar direkt in den Master einsteigen.
 
Die einzige Hürde: In einigen Bundesländern, zum Beispiel in Baden-Württemberg, muss ein Beratungsgespräch besucht oder sogar eine Eignungsprüfung abgelegt werden.
 

Studieren ohne Abitur, Fachabitur oder Aufstiegsfortbildung – die Länderübersicht

Beruflich Qualifizierte können ebenfalls in allen Bundesländern studieren – allerdings fachbezogen. Sie können sich den Studiengang also nicht frei aussuchen. Meistens muss das Fach, für das eine Hochschulzugangsberechtigung erreicht wird, einen Bezug zum erlernten Beruf haben. Das ist aber nicht immer so. „Beruflich qualifiziert“ heißt hier in der Regel, dass Du eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt hast. So sehen die Regelungen in den einzelnen Ländern konkret aus:
 

Studieren ohne Abitur in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen kann man nach zweijähriger Ausbildung und drei Jahren in der Praxis ohne Abitur studieren. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:
 

  1. Bei einem fachbezogenen Studium (z.B. Industrieelektriker und Elektrotechnik) entscheidet die Hochschule über die Zulassung.
  2. Für ein nicht-fachbezogenes Studium (z.B. Industrieelektriker und Jura) muss ein Probestudium oder eine Zugangsprüfung absolviert werden. Auch hier musst Du zwei Jahre Ausbildung und drei Jahre Berufserfahrung aufweisen, um in NRW ohne Abitur studieren zu können. Übrigens: Bestimmte Tätigkeiten wie Erziehung und Pflege gelten als Berufserfahrung!

 

Studieren ohne Abitur in Niedersachsen

In Niedersachsen gilt die sog. 3 plus 3-Regel: Nach drei Jahren Ausbildung und drei Jahren Berufserfahrung darfst Du berufsbezogen studieren, die genaueren Modalitäten regelt die jeweilige Hochschule.
 
Außerdem gibt es in Niedersachsen die sog. „Immaturenprüfung“ oder „Z-Prüfung“. Wenn Du fünf Jahre Berufserfahrung gesammelt hast und diese Tätigkeit mit einem Ausbildungsberuf vergleichbar ist oder Du eine zweijährige Ausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen kannst, dann kannst Du eine Prüfung absolvieren. Dafür ist ein Vorbereitungskurs nötig. Wenn Du diesen bestehst, bekommst Du eine Hochschulzugangsberechtigung für das gewünschte Fach, unabhängig von der Fachrichtung Deines Berufs.
 
Neben diesem Weg gibt es in Niedersachsen noch folgende Möglichkeiten, um ohne Abitur zum Studium zugelassen zu werden:
 

  • Zulassungsprüfung im Wunschfach
  • Überragende künstlerische Befähigung
  • Besondere wissenschaftliche Befähigung

 

Studieren ohne Abitur in Bayern

Wenn Du in Bayern ein Studium ohne Abitur aufnehmen willst, musst Du mindestens drei Jahre Berufserfahrung nachweisen können. Zusätzlich erfolgt eine Feststellung der Studieneignung durch die Hochschule, an der Du Dich bewirbst.
 

Studieren ohne Abitur in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz gilt: Wer ohne Abitur studieren will, muss eine Berufsausbildung mit der Note 2,5 oder besser nachweisen können. Außerdem musst Du hier ebenfalls zwei Jahre in der Praxis gearbeitet haben, und zwar mindestens halbtags.
 

Studieren ohne Abitur in Hessen

Nach einer Berufsausbildung, die mindestens zwei Jahre gedauert hat, und zwei Jahren praktischer Erfahrung kannst Du auch in Hessen fachgebunden ohne Abitur studieren. Allerdings musst Du außerdem eine Hochschulzugangsprüfung ablegen.
 

Studieren ohne Abitur im Saarland

Das Saarland fordert für das Studium ohne Abitur (fachbezogen) ebenfalls eine zweijährige Ausbildung. Die Abschlussprüfung musst Du außerdem mit qualifiziertem Ergebnis bestanden und zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Wenn diese Voraussetzungen stimmen, wirst Du für zwei Semester im Probestudium zugelassen. Eine Eignungsfeststellung ist außerdem Teil des Prozesses.
 

Studieren ohne Abitur in Berlin

Um in Berlin ohne Abitur fachgebunden studieren zu können, musst Du eine zweijährige Berufsausbildung absolviert haben und drei Jahre Berufserfahrung nachweisen können. Es ist außerdem auch möglich, mit diesen Voraussetzungen ohne Fachbezug zu studieren; dann musst Du aber eine Eignungsprüfung ablegen.
 

Studieren ohne Abitur in Brandenburg

Auch in Brandenburg brauchst Du für das Studium ohne Abitur eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und zwei Jahre Praxiserfahrung. Außerdem muss Dein Schulabschluss mindestens der Sekundarstufe 1 entsprechen.
 

Studieren ohne Abitur in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein brauchst Du für ein Studium ohne Abitur eine zweijährige Ausbildung und drei Jahre im Beruf. Außerdem steht hier eine Eignungsprüfung auf dem Programm.
 

Studieren ohne Abitur in Mecklenburg-Vorpommern

Mit fünf Jahren Berufserfahrung oder einer zweijährigen Ausbildung in Kombination mit drei Jahren Berufserfahrung kannst Du in Mecklenburg-Vorpommern ein fachbezogenes Studium ohne Abitur aufnehmen. Zusätzlich musst Du eine Zugangsprüfung ablegen.
 

Studieren ohne Abitur in Thüringen

Die zweijährige Berufsausbildung und dreijährige Berufserfahrung sind auch in Thüringen die Voraussetzung, um ohne Abitur zu studieren. Allerdings musst Du außerdem zwei Semester im Probestudium meistern.
 

Studieren ohne Abitur in Sachsen

Das Studium ohne Abitur in Sachsen kannst Du mit beruflicher Qualifikation anfangen, wenn Du eine zweijährige Ausbildung und drei Jahre Berufserfahrung nachweisen kannst. Dann steht zwischen Dir und Dem Studium nur noch eine Zugangsprüfung, die in Sachsen vorgeschrieben ist.
 

Studieren ohne Abitur in Sachsen-Anhalt

Neben einem Berufsabschluss brauchst Du auch in Sachsen-Anhalt drei Jahre Berufspraxis, um ohne Abitur fachbezogen studieren zu können. Dein Schulabschluss muss dabei mindestens der Mittleren Reife entsprechen.
 

Studieren ohne Abitur in Bremen

In Bremen wird es kompliziert. Hier darfst Du in folgenden Fällen ohne Abitur studieren:
 

  1. Du hast eine zweijährige Berufsausbildung absolviert und kommst auf drei Jahre Berufserfahrung? Dann steht nur noch eine Einstufungsprüfung zwischen Dir und dem Studium!
  2. Wenn Du eine Berufsausbildung hast und mindestens fünf Jahre Berufserfahrung (Achtung, Wehrdienst, Zivildienst und anderes werden anerkannt!), kannst Du ein Probestudium absolvieren. Die durch das Probestudium erbrachte Hochschulzugangsberechtigung ist ortsgebunden, Du kannst also nur da fertig studieren, wo Du das Probestudium bestanden hast.
  3. „Kleine Matrikel“: Wenn Du glaubhaft versichern kannst, dass Du innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben wirst, kannst Du in Bremen bereits zum Studium zugelassen werden.
  4. Außerdem wird in Bremen die Z-Prüfung/Immaturenprüfung aus Niedersachsen anerkannt.

 

Studieren ohne Abitur in Baden-Württemberg

Um in Baden-Württemberg ohne Abitur zu studieren, musst Du eine zweijährige Ausbildung gemacht und danach drei Jahre im Beruf gearbeitet haben. Wenn Du diese Voraussetzungen erfüllst, fallen noch ein Beratungsgespräch und eine Eignungsprüfung an. Wenn Du diese bestehst, kannst Du fachgebunden studieren, auch, wenn Du kein Abitur hast.
 

Studieren ohne Abitur in Hamburg

In Hamburg beträgt der Anteil aller Studierender ohne Abitur rund 5% — das ist im Vergleich ziemlich viel. Um hier auch ohne Abitur im Studium durchstarten zu können, benötigst Du eine abgeschlossene Ausbildung und drei Jahre Berufserfahrung. Bis zu zwei Jahre können dabei von Wehr- oder Zivildienst, der Pflege von Angehörigen etc. ersetzt werden. Außerdem fällt in Hamburg eine Eignungsprüfung an. Die Eignungsprüfung kann in jedem Fach abgelegt werden, also auch in Fächern, die nichts mit Deiner Ausbildung zu tun haben.
 

Weitere Wege an die Uni ohne Abitur

Ein abgeschlossenes Studium ersetzt in der Regel das Abitur. Beispiel: Du hast eine Ausbildung als Elektriker gemacht und danach als beruflich Qualifizierter ein fachbezogenes Studium an der FH absolviert. Dein FH-Abschluss ersetzt nun quasi das Abitur, das heißt, Du könntest jetzt auch einen Germanistik-Bachelor an der Universität starten.
Wie es mit dem Wechsel zwischen Fachhochschule und Universität aussieht, ist länderspezifisch geregelt. In manchen Bundesländern kannst Du zum Beispiel mit Fachabitur nur an der FH anfangen, nach einer bestimmten Anzahl erworbener Credit Points aber an die Universität in einen verwandten Studiengang wechseln.
 

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