Promotionsdilemma



  • Hallo Leute,

    ich habe vor zwei Jahren meinen Abschluss gemacht. Seitdem arbeite ich in einem Brot-Job, der mir nicht wirklich gefällt. Ich wollte schon immer promovieren und habe nun Kontakt hergestellt zu einem alten Prof von mir. Der würde mich prinzipiell auch annehmen, aber: Er hat keine Stelle für mich. Er hat mir angboten, ich könnte für ihn Tutorien geben, aber das wären vielleicht 600 Euro im Monat, davon kann ich ja nicht leben. Ich will auch nicht wegziehen und ich finde auch irgendwie gar keine passenden Stellen für mich (Orchideenfach...)

    Wer von euch hat denn Erfahrungen mit Stipendien? Hat es bei euch gleich geklaopt? Sollte ich das Angebot mit den Tutorien erstmal annehmen? Außerderm interessiert mich, wie ihr die Diss finanziert habt. Vielleicht auch durch einen total fachfremden Job? Ich könnte meinen aktuellen theoretisch reduzieren, aber ich kann ihn wirklich nicht leiden (Nachhilfeinstitut...)

    Ich freue mich auch eure Antworten.



  • Hallo pikachu,

    gar nicht so leicht, da einen passenden Tipp zu geben. Ich schreibe einfach mal auf, was ich bisher verstehe und welche Fragen mir dazu einfallen...

    • Eine Stelle an der Universität, an der du promovierst, ist dir offenbar am liebsten. Muss es genau bei dem Professor sein, den du jetzt kontaktiert hast, oder kommen auch andere Personen in Frage? Hat er sich zur zeitlichen Perspektive geäußert, d.h. wann würde ggf. die nächste Stelle bei ihm frei? Hat er oder haben seine Kolleg*innen vielleicht Drittmittelprojekte in Aussicht, bei denen sich noch etwas ergeben könnte? Die Situation könntest du z.B. noch genauer abklopfen.
    • Deine jetzige Beschäftigung scheint dich sehr unzufrieden zu machen. Das kostet sicherlich viel Energie, die du später gut für deine Promotion gebrauchen könntest. Welche anderen Jobs kämen denn für dich in Frage? Der Nachteil bei fachfremden Jobs ist eben die Distanz zum Promotionsthema, d.h. es kostet mehr Zeit, dich wieder neu ins Thema einzuarbeiten. Ich würde dir in diesem Fall empfehlen, auf jeden Fall den Kontakt zu anderen Promovierenden zu suchen und an Tagungen und Kolloquien teilzunehmen.
    • Das Angebot, Tutorien zu geben, ist für den Bezug zum Lehrstuhl und zum Fach sicher eine gute Möglichkeit. Allerdings kommt, wie du schon sagst, wirklich nicht viel Geld dabei herum, und das bei wahrscheinlich sehr hohem Zeitaufwand für die Vorbereitung. Auch hier die Frage: Gibt es andere Lehrende aus dem Fach, die Unterstützung brauchen und eine Hilfskraftstelle oder Ähnliches zu besetzen haben? Erfahrungsgemäß ergibt sich über längere Zeit häufig eine Option, wenn man erst mal sichtbar und aktiv im Fachbereich wird.
    • Aus Sicht des Professors: Ich habe es so verstanden, dass du ihn nach längerer Zeit kontaktiert hast. Hier kann es wichtig sein, dass er dein Interesse an einer Promotion erkennt und sieht, dass du es ernst meinst.
    • Du kannst auch ihn direkt nach den Chancen für ein Stipendium in eurem Fach fragen oder dich an der Universität dazu beraten lassen. Eine allgemeine Antwort hierauf (ohne dein Fach und die möglichen Angebote zu kennen), finde ich schwierig.

    Insgesamt könntest du dich fragen, wie viel dir die Möglichkeit zur Promotion bedeutet, z.B. was genau du damit verbindest, was dich motiviert und an welchen Stellschrauben (Wohnort, Einkommen,...) du unter Umständen doch noch drehen würdest.

    Ich hoffe, meine Gedanken dazu helfen dir ein wenig weiter...und ich wünsche dir viel Erfolg!



  • Hallo,

    "wir haben leider keine Stelle für Sie, aber Sie können ein paar Tutorien geben" - das sind mir ja die liebsten. Die Doktoranden nicht ordentlich absichern, aber die Lehre auf sei abwälzen.

    Versteht mich nicht falsch, mir ist klar, dass kleine Institute das Geld für Stellen oft einfach nicht haben. Aber mich regt das SO auf. Da läuft richtig was schief an unseren Unis.

    Leider muss man aber auch sagen dass es normal ist, sich nach dem Master auf Doktorandenstellen woanders zu bewerben (und oft auch gewünscht für den Lebenslauf). Wenn man sich da gar nicht drauf einlassen kann, wird es schwer in der Wissenschaft. Dasselbe wird bis zur Professur (im Idealfall) noch mehrere Male passieren.



  • @majana Vielen Dank für deine Antwort! Das ist wirklich lieb und da sind einige Denkanstöße dabei. Ja, es wäre mir am liebsten, hier zu bleibe. Es gibt nur eine Professur, wir sind echt klein. Also gibt's da keine anderen Möglichkeiten leider. Ich denke schon, dass der Prof weiß, dass ich es ernst meine. Ich denke, Stipendien sind meine beste Möglichkeit. Da würde er mich auch unterstüzten bei der Bewerbung.



  • @antiaging Hm, ja, du hast wohl mit beidem Recht.


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