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Unterschied FH und Uni – wo sollte ich studieren?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen der FH und der Universität? Und wo sollte ich studieren: Fachhochschule oder Uni? Wir erklären Dir, was die beiden Hochschulformen unterscheidet und wo die Gemeinsamkeiten liegen.
 

Unterschied FH und Uni: gar nicht so eindeutig

Die häufigste Antwort auf die Frage fällt wohl so aus: Der Unterschied zwischen FH und Uni besteht darin, dass an der Universität theoretisch geforscht und gelehrt wird, während an der Fachhochschule die Praxis im Vordergrund steht. Das ist nicht ganz richtig und auch nicht ganz falsch.
 

Uni vs. FH

Um die Unterschiede herauszuarbeiten, schauen wir uns zunächst beide Hochschultypen genauer an. Beide Formen haben spezifische Merkmale, die sie unterscheiden, aber auch viele Gemeinsamkeiten.
 

Uni vs. FH: Die Fachhochschule

FH, das ist die Abkürzung für FachHochschule. Der Name verrät uns schon einiges: Zum einen ist die FH, wie die Uni auch, eine Hochschule, also ein Ort, an dem eine Aus- oder Weiterbildung in Form eines Studiums erfolgt. Der Zusatz Fach- stellt bereits einen Bezug zur Praxis her. Deutlicher wird dies Englischen: Hier heißt die Fachhochschule University of Applied Science. Es handelt sich um eine Universität – aber um eine der angewandten Wissenschaften. Es geht also vorrangig um die Anwendung von Wissen.
 
Universitäten gibt es schon ewig, Fachhochschulen sind noch nicht so alt: Der Begriff festigte sich in den 1960er- und 1970er-Jahren, als es in Deutschland eine große Bildungsdiskussion gab und viele Neuerungen im Hochschulwesen eingeführt wurden.
 

Uni vs. FH: Die Universität

Universitäten fallen ebenfalls unter den Oberbegriff Hochschule. Eine veraltete Bezeichnung lautet auch Wissenschaftliche Hochschule. Dieser Zusatz weist auf die Hauptaufgaben der Universitäten hin: Forschung und Lehre. Diese Zweiteilung ist für Unis prägend: Neues Wissen wird hier erforscht und idealerweise sehr schnell in die Lehre integriert und an die Studierenden weitergegeben.
 

Hier ein (zugegebenermaßen verkürztes) Beispiel:
In universitären Fachbereichen wie der Soziologie oder der Pädagogik wird erforscht, welche Auswirkungen der finanzielle Background von Eltern auf die Entwicklung und Ausbildung von Kindern hat.
In Studiengängen der FH, zum Beispiel in der Sozialen Arbeit, wird diese Grundlagenforschung praktisch angewandt, indem den Studierenden Konzepte zum Nachteilsausgleich aufgezeigt werden.

 
Wir können also schonmal festhalten: An der Uni geht es hauptsächlich um die Erforschung und Weitergabe von Wissen, an der FH geht es vorrangig um die Anwendung von Wissen.
 

Uni und FH: Die Unterschiede

Hauptsächlich unterscheiden sich die beiden Hochschulformen durch ihre unterschiedlichen Schwerpunkte. Das hat verschiedene Auswirkungen auf die Fächer, den Unterricht, die Lehrenden und so weiter. Wie sich diese Unterschiede genau äußern und welchen Einfluss Sie auf das Studium haben, erklären wir Dir!
 
Unterschied Uni FH
 

Unterschiede zwischen Uni und FH: Die Zugangsvoraussetzungen

Es ist ganz schön schwer, in Deutschland den Überblick über die Möglichkeiten zum Studium zu bewahren. Bildung ist hier Ländersache. Deshalb haben alle Länder andere Regelungen getroffen.
 
Generell gilt: Wer Abitur hat, kann prinzipiell an Fachhochschulen und Universitäten studieren. Voraussetzung ist, dass die Zugangshürden nicht im Weg stehen. Schau Dir unsere Artikel zum Thema „Was ist der NC?“ und „Wie funktionieren Wartesemester?“ an!
 
Wer ohne Abitur studieren will, muss schon mehr beachten. Wir haben Dir in unserem Blog genau zusammengefasst, wie das Studieren ohne Abitur genau funktioniert. Grob gesagt: In jedem Bundesland ist es unter Beachtung einiger Regeln möglich, mit Berufsausbildung und Berufserfahrung fachspezifisch zu studieren. Fachspezifisch heißt, dass das Studium zur Ausbildung passen muss (z.B. Elektrikerin und Elektrotechnik). In der Regel findet ein solches Studium nach der Ausbildung an einer Fachhochschule statt. Auch an der Universität kann ein fachspezifisches Studium aufgenommen werden (z.B. Erzieher und Pädagogik). Allerdings ist es hier oft gar nicht so einfach, ein passendes Fach zu finden, weil die meisten Universitätsfächer eben nicht so spezifisch sind. Der „klassische“ Studienweg nach einer Ausbildung ist daher der an der FH.
 
Wer kein Abitur, aber ein Fachabi hat, kann nur in wenigen Fällen an den Universitäten studieren. Möglich ist das fachgebunden zum Beispiel in Niedersachsen. Für ein Studium an den Fachhochschulen muss zwischen allgemeiner Fachhochschulreife (=Du kannst jedes Fach an der FH studieren) und fachgebundener Fachhochschulreife (=Du kannst auch an der FH nur fachgebunden studieren) unterschieden werden.
 

Unterschiede zwischen Uni und FH: Die Fächer

Universität und FH unterschieden sich erheblich durch die angebotenen Studienfächer. Um den Unterschied zu fassen, arbeitet man am besten mit Beispielen:
 
Studiengänge Uni FH
 
Grob gesagt: Die Studiengänge an der Uni sind allgemeinerer Natur und theoretisch umfassend. Die FH Studiengänge basieren auf dieser Grundlagenforschung. Man kann sie als eine Art Auskopplung sehen: Soziale Arbeit deckt einen bestimmten Bereich der Universitätsstudiengänge ab, basiert auf deren Erkenntnissen und vermittelt auf Grundlage der Theorie praktische Fertigkeiten. Oft sind FH-Studiengänge Teilbereiche von Universitätsstudiengängen (vgl. Jura und Wirtschaftsrecht) oder Querschnitte (vgl. Gemeindepädagogik aus Theologie und Pädagogik).
 

Unterschiede zwischen Uni und FH: Das Promotionsrecht

Hier sind die Unterschiede ganz eindeutig: Universitäten haben Promotionsrecht, Fachhochschulen nicht. Das heißt im Klartext: An der FH kannst Du keinen Doktortitel erwerben. Es ist allerdings prinzipiell möglich, mit einem FH-Abschluss an der Uni zu promovieren. Ob und wie das klappt, ist in den Promotionsordnungen geregelt. Außerdem gibt es Kooperationen zwischen Universitäten und FHs: Du arbeitest dann an einer Fachhochschule, hast aber einen Doktorvater oder eine Doktormutter an einer Uni, die das Verfahren durchführt.
 

Unterschiede zwischen Uni und FH: Das Lehrpersonal

Auch hier gibt es Unterschiede zwischen Uni und FH. Generell haben Lehrende an der FH oft einen größeren Fachbezug und waren lange in der Wirtschaft tätig oder sind es noch. Eine absolute Grundvoraussetzung für eine FH-Professur ist eine mindestens fünfjährige Berufspraxis. An der Uni ist die akademische Laufbahn bis hin zur Professur nur selten von Ausflügen in die freie Wirtschaft unterbrochen, oft ist das für die Karriere sogar schädlich.
 
Durch den geringeren Forschungsanteil an Fachhochschulen haben FH-Profs deutlich mehr Lehre zu bewältigen als ihre Kolleginnen und Kollegen an der Uni.
 

Uni vs. FH: Gemeinsamkeiten

Auch, wenn sich die generelle Einschätzung „FH= Praxis; Uni=Theorie“ in unseren bisherigen Ausführungen bestätigt hat: In vielen Punkten sind sich beide Hochschulen doch sehr ähnlich.
 

Gemeinsamkeiten Uni und Fachhochschule: die Fächer

Es gab schon immer Überschneidungen in bestimmten Fächern. Während es zum Beispiel in den universitären Geisteswissenschaften kaum Schnittmengen zu FH-Studiengängen gibt, sind in anderen Bereichen die Unterschiede verschwommener. Das gilt besonders für BWL, Informatik, Kommunikationswissenschaften oder die Ingenieurwissenschaften. Auch hier gilt aber: Die FH-Studiengänge sind im Vergleich praktischer, die Universitätsstudiengänge theoretischer ausgelegt. Du solltest aber auf jeden Fall auf die Schwerpunkte der jeweiligen Hochschule schauen.
 

Gemeinsamkeiten und Fachhochschule: die Unis holen beim Praxisbezug auf

Außerdem setzen auch die Universitäten immer stärker auf den Bezug zur Praxis. Die Anzahl der Studierenden pro Jahrgang wird immer größer. Längst nicht alle Absolventen kommen in der Wissenschaft unter. Das haben auch die Unis erkannt und reagieren zum Beispiel mit Praxissemestern, Seminaren mit Praxisbezug, praktischen Übungen oder Gastvorträgen aus der Wirtschaft.
 
Im Zuge der Bolognareform entstanden und entstehen auch an den Unis immer mehr Studiengänge abseits der „großen Klassiker“. Besonders im Master kann man sich spezialisieren. Statt Germanistik kann man in Essen zum Beispiel „Literatur- und Medienpraxis“ studieren, Kiel bietet „Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt“ an und in Hamburg kannst Du Dich auf „Technomathematik“ festlegen.
 
Natürlich ist es auch nicht so, dass an den Fachhochschulen gar nicht geforscht würde. Besonders in der Entwicklung neuer Verfahren sind die FHs stark. Beachtet, dass wir immer nur von Schwerpunkten sprechen!
 

Uni oder FH – Was ist das Richtige für mich?

Das ist jetzt vermutlich sehr unbefriedigend, aber: Das können wir Dir natürlich auch nicht sagen. Die unterschiedlichen Schwerpunkte wirken sich auch auf die Lehrformen, die Gruppengröße und die Möglichkeit zum selbstständigen Studieren aus. Außerdem ist jeder Studiengang an jeder Hochschule wieder anders konzipiert. Nicht zuletzt ist auch das Studentenleben an einer großen Volluniversität mit 40.000 Studierenden anders als das an einer kleinen FH im vierstelligen Bereich.
 
Wir raten allen Unentschlossenen, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen:
 

  • Wie lerne ich am besten?
  • Was will ich später mit dem Studium anfangen?
  • Wie sehr will ich mich festlegen/spezialisieren?
  • Möchte ich viele Freiheiten oder einen festgelegten Stundenplan?

 
Außerdem haben wir noch diese Tipps:
 

  • Besuche die infrage kommenden Hochschulen einfach. Schnupper mal rein in die Umgebung und in die Lernatmosphäre!
  • Beschäftige Dich nicht nur mit der Frage „FH oder Uni?“, sondern auch mit dem konkreten Studienfach: Wie sieht die Studienordnung aus? Welche Prüfungsformen sind vorgesehen? Gibt es Praxissemester?
  • Lass Dich nicht beeinflussen: Keine Form der Ausbildung ist besser oder schlechter – aber durchaus anders! Mach, was zu Dir passt!

 

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